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Wie alles begann:
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August / September 2008
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Es war wohl Mitte August an einen Sonnabend, als das Telefon klingelte und ich am anderen Ende der Strippe hörte, wie mein Kollege Tobi mich fragte, ob ich nicht Lust hätte auf eine Wanderreise nach Kanada. Na, dachte ich, wirst wohl wieder sein bayrisches Kauderwelsch nicht richtig verstanden haben, auch der Verdacht auf ein paar Promille im Blut keimten in mir auf, erwiesen sich aber, nach mehrmaligen Nachfragen als Irrtum. Ich sagte erst einmal sicherheitshalber ab, trotzdem fraß sich das Wort Kanada immer mehr ins Hirn. Und da meine Frau, nach vorsichtiger Anfrage, auch keinen Widerstand gegen dieses Unternehmen zeigte und wahrscheinlich froh war mich mal für zwei Wochen vom Halse zu haben sagte ich am Montag ganz locker, ja ich will, wusste allerdings noch gar nicht was die Drei überhaupt vorhatten. Erst am Mittwoch sagte dann Gerhard zu mir ich solle doch mal im Internet schauen was ich so über den "West Coast Trail" finde. Und bei dieser Recherche war es denn auch mit der Lockerheit erste einmal vorbei und ich war überzeugt das der Rinderwahnsinn die Drei voll im Griff hatte. Die Idee zu diesem Wanderpfad kam von Jens einen durchtrainierten Polizisten, der solche Wahnsinnstouren auch nicht zum ersten Mal durchzog. Auch Gerhard, ein Arbeitskollege gleichen Alters, hatte mit solchen Extremtrips schon Erfahrungen gesammelt. Nur Tobi und meine Wenigkeit, wir waren sozusagen die blutigen Anfänger und hatten nur noch ein Wochenende um uns zu entscheiden.
Ausschlaggebend für die Zusage waren dann eigentlich folgende Argumente:
- Als Mitarbeiter des Münchner Flughafens hatten wir einen ziemlich preiswerten Flug. - Die Teilnahme von zwei erfahrenen Globetrottern. - Die Ausrüstung wurde teilweise von Gerhard gestellt. - Mit 52 Jahren noch mal aus den ewigen Trott von Familie, Arbeit und sonstigen Alltag ausbrechen zu können. - Und wo sind zurzeit meine physischen Grenzen? Ich geh dreimal in der Woche joggen, bin im Sommer viel mit dem Fahrrad unterwegs, bin “Kaltduscher”, aber reicht das alles um so ein Trail durchzuziehen??
Wir wollten es jedenfalls wissen und 3 Tage später hatten wir die Tickets nach Vancouver in der Tasche. In den nächsten 4 Wochen war dann Training angesagt. In den Rucksack, dankenswerterweise von Gerhard geborgt bekommen, kamen 25 Kilo Vogelsand und Blumenerde, dann jeden Tag 1-2 Stunden Treppe hoch, Treppe runter usw. Zweimal lief ich mit diesen Gewicht eine Strecke von rund 15 Km, allerdings auf dem Fahrradweg und jedes Mal hatte ich danach die Faxen dicke. Und das Gewicht des Rucksackes war auch das was mir am meisten Kopfschmerzen bereitete. Allein das Einstellen dieses Teiles, an jeder Ecke und Kante mit Riemchen und Schnallen ausgerüstet, erforderte schon ein mittleres Studium. Dementsprechend legte ich bei der Auswahl der restlichen Ausrüstung (ISO-Matte, Schlafsack usw.) den Schwerpunkt hauptsächlich auf das Gewicht, was natürlich wieder Abstriche beim Komfort mit sich brachte, weil finanziell ruinieren sollte mich der Trip ja auch nicht. Am 21.09.2008 nachmittags trafen wir uns dann am Flughafen um das große Packen und Verteilen der Lebensmittel, des Kochgeschirrs usw. auf die Rucksäcke in aller Ruhe bewältigen zu können. Das beanspruchte uns locker zwei, drei Stunden. Besonders beim Verschnüren der Rucksäcke halfen uns Gerhards Erfahrungen einmal mehr, wussten wir doch was bei der Gepäckabfertigung auf einem Flughafen so abgeht. Jens stiess dann in der Nacht aus Berlin kommend zu uns, Tobi und Ich lernten Ihn als einen sehr ausgeglichenen und sympathischen Menschen erstmals kennen.
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Anreise: München- Washington- Chicago- Vancouver
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22.09.2008
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Nach unruhiger Nacht starteten wir um 11:45 vom Münchener Flughafen mit der United Airlines nach Washington - Chicago - Vancouver. War alles ziemlich pünktlich und wir kamen planmäßig um 22:30 Ortszeit an. Die Übernahme des Mietwagens von Alamo ging auch ohne größere Probleme von sich. Jens wurde als zusätzlicher Fahrer mit aufgenommen, Zusatzkosten 140 CAD. Ein Pontiac sollte uns zum Zielort hin und wieder weg führen. Beim Auspacken der Rucksäcke in der Tiefgarage dann der erste Schock: bei Tobi war der Plastebehälter mit dem flüssigen Gold (Brandy) ausgelaufen. Plastebehälter deswegen weil wir aus Gründen der Gewichtsreduzierung den Fusel umgefüllt hatten. Sofort roch im Umkreis von 10 Metern alles nach Schnaps und wir hofften natürlich dass uns nicht ausgerechnet jetzt irgendein Hüter des Gesetzes über den Weg laufen würde. Jeder weiß natürlich das offener Alkohol in der Öffentlichkeit in Kanada nicht gerade gesetzeskonform ist. Nachdem Gerhard drei Rucksäcke mit Müh und Not und roher Gewalt im Kofferraum untergebracht hatte kam der vierte Rucksack mit auf die Rückbank. Ich war froh das Jens sich bereit erklärte das Auto zu führen, denn Auto fahren ist nicht gerade eine große Leidenschaft von mir. Nach 10 Minuten intensiven Studiums brachten wir den Karren auch dazu sich von der Stelle zu bewegen und auf ging es in die Nacht von Vancouver.
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Vancouver-Vancouver Island- Victoria- Port Renfrew
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23.09.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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14,9
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3,3
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9,1
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0,2
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Nach reiflicher Überlegung fuhren wir sicherheitshalber erstmal den Weg von Vancouver nachTwansassen ab, wo gegen 7:00 Uhr unsere Fähre nach Vancouver Island ablegen sollte. Kein Problem war alles ziemlich gut ausgeschildert. Auf den Weg zurück nach Vancouver testete Jens den Karren auf Flugeigenschaften in dem er irrtümlich eine Fahrbahntrennung für eine Abfahrt hielt. Danach waren wir alle wieder munter und ein Hungergefühl machte sich breit. Wir fanden dann auch so eine Art McDonalds-Laden und dort schlugen wir auch die Zeit bis gegen 04:30 Uhr, unter Vernichtung etlicher Sandwiches und mehrerer Liter Kaffee, tapfer tot. Gegen 05:00Uhr waren wir wieder in Twansassen, Während der Wartezeit erstellten wir dann eine Einkaufliste der noch benötigten Sachen für unser Abenteuer zusammen, die dann in Victoria abgehakt werden sollte. Wir wurden schon unruhig als gegen 06:45 endlich Bewegung in die Autoschlange kam. Das Verladen auf die Fähre ging Ratzfatz und tatsächlich pünktlich um 7:00 Uhr stachen wir in See. Währen der 1,5 stündigen Fahrt waren wir meistens an Deck und bekamen schon einen ersten Eindruck von der herrlichen Landschaft, gleichzeitig testeten wir unsere Regenjacken auf Windtauglichkeit. Ankunft Victoria/Swartz Bay gegen 08:30 Uhr. Auf den Weg nach Victoria entdeckte Jens einen Informationspunkt des Pacific Rim Nationalparks, die zwei älteren Damen gaben sich reichlich Mühe mit uns, und so erfuhren wir alles über Einkaufsmöglichkeiten (Outdoorläden) in Victoria, Übernachtungsmöglichkeiten in Port Renfrew usw. Mit reichlich Kartenmaterial ausgestattet fanden wir in Victoria ziemlich rasch einen Parkplatz im Zentrum und gleich um die Ecke den von uns gesuchten Outdoorladen (Mountain equipment Coop). Mit 2 Gasflaschen, Feuerzeug, Zündhölzer und Steckeradapter im Korb ging es an die Kasse wo Jens sich erst als Mitglied in irgendein Verein eintragen lassen musste damit wir das Zeug überhaupt kaufen konnten. Noch heute ist mir das Geschäftsprinzip dieses Ladens ein Rätsel. Da kommen in der Hochsaison Wanderer, Angler, Kanuten usw. aus der ganzen Welt die den Umsatz dieses Geschäfts sicherlich fördern, ob mit Clubkarte oder ohne. Wäre ich zum Beispiel allein gewesen, hätte ich diesen Laden ohne Einkauf wieder verlassen. Nach dem üblichen mcdonaldsähnlichen Mittagsessen ging es in den Supermarkt. Dort landete u.a. in den Korb: Zucker, Knoblauch, Gewürze, Butter, Brot, Colaflaschen 0,5l, Plastikbeutel mit Zippverschluss, Tempo-Taschentücher, Schürsenkel und zwei Brote. Später kauften wir dann noch 4 Steaks für den ersten Abend auf dem Trailer um uns den Einstieg ins harte Trekkingleben zu erleichtern. Dann kauften die Wahnsinnigen noch Bier in rauhen Mengen, wovon später tatsächlich noch 4 Büchsen in unsere ohnehin schon mit rund 22 Kilo schweren Rucksäcken landeten. Gegen 15:00 Uhr Aufbruch nach Port Renfrew. Unfreiwillig umkreisten wir noch mal Victoria ehe wir uns auf der richtigen Straße befanden. An einen netten naturreichen Rastplatz machten wir noch einen kleinen Zwischenstopp am Meer und reduzierten unseren Biervorrat geringfügig. Gegen 17:00Uhr waren wir dann am Ziel und die ersten leichten Regenschauer empfingen uns. Das Gasthaus "West Cost Trail Hotel” das früher einem deutschen Ehepaar gehörte, war natürlich auch nicht mehr in deutscher Hand und der Preis von 145CAD/Doppelzimmer lies uns sofort die Flucht ergreifen. Auf einem Campground des Ortes mieteten wir uns dann eine Parzelle für 20CAD die Nacht, was uns den Vorteil brachte gleich die Zelte noch mal außerhalb des WCT zu testen und auf Vollständigkeit zu überprüfen. Eine halbe Stunde später ging es an die Aufteilung der von uns in Victoria gekauften Sachen auf die Rucksäcke. Tobi und ich hatten die Verpflegungsbeutel während Jens und Gerhard die Zelte samt Gestänge bei sich hatten. Durch das Duschen für zwei Dollar/7 min. jagten wir noch mal die Müdigkeit aus den Knochen. Immerhin waren wir mittlerweile 24 Sunden auf den Beinen und zumindest ich hatte in der Zeit kaum Schlaf finden können. Den Kampf gegen den Hunger gewannen wir dann im Port Renfrew Hotel mit panierten Fischfilet und trockenen verbrutzelten Kartoffelchips. Der Fisch war zweifelsohne Klasse über den Rest lohnt es sich nicht zureden. Hier wurde uns auch gesagt dass der Besitzer dieser Lokalität nun auch das ehemals im Besitz des deutschen Ehepaares befindliche Hotel vereinnahmt hat. Das hörte sich für uns alles nach lokaler Connection an und wir wunderten uns nicht mehr über die hohen Preise trotz Nebensaison. Gegen 23:00Uhr unter strömenden Regen bezogen wir unsere Zelte und der Regen war es auch der mich unruhig schlafen lies. Wegen des Bierverzehrs in der Gaststätte kroch ich dreimal bei diesen Sauwetter aus dem Zelt zum pieseln und fragte mich zum wiederholten mal auf was ich mich da überhaupt eingelassen habe. Wenn das der Vorgeschmack für die kommenden Tage sein sollte dann Prost Mahlzeit. Diese und andere Fragen, sowie Gerhards Schnarchen im Nachbarzelt liessen mich erst spät einschlafen.
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Tag 1 Gordon River (Km 75) - Trasher Cove (Km 70)
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24.09.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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13,5
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9,0
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11,3
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34,4
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Um 05:30 hatte Gerhard seinen Job beim Sägewerk beendet und machte das Treiben auf dem Campground verrückt. Es nieselte. Noch ein paar Tage vorher war hier wochenlang traumhaftes Wetter gewesen, es war zum verrückt werden. Also machten wir noch ein letztes mal Morgenwäsche an einem ordentlichen Waschbecken und unsere ersten Energieriegel wurden vernichtet. Danach setzte ich meine mit einem Gummiband präparierte Brille auf, was auch gut funktionierte, bloß wunderte ich mich das ich die Zahlen auf meiner Uhr nicht erkennen konnte. Am Infocenter merkte ich dann das, das linke Glas fehlt und die Brille wanderte wieder in den Rucksack. So sah ich die nächsten acht Tage den Trail immer ein wenig verschwommen und war vielleicht auch ein Grund das ich öfters mal in die Waagerechte ging. Das Abstellen unseres Mietautos auf einen einigermaßen sicheren Parkplatz inklusive Transport zum Informationscenter am Gordon River war mit 20 CAD relativ preiswert. Wir hatten dann noch eine halbe Stunde Zeit bis die Parkrangerin erschien und jeder hing mehr oder weniger seinen Gedanken nach was auf uns wohl zukommen würde. Auch das Lesen der Infotafeln am Informationscenter trug nicht gerade dazu bei meine Restzweifel in Bezug auf Gelingen unseres Abenteuers zu beseitigen. Unter anderen las man dort folgende Informationen: - Zahl der Evakuierten seit Beginn der Saison: 75 Personen - Bären u. Pumasichtungen auf den verschiedensten Abschnitten der Route - Vermisstenmeldung eines Studenten aus Frankreich seit Mai dieses Jahres - Wettervorhersage für die nächsten 3 Tage: natürlich Regen. Pünktlich gegen 09:00 Uhr erschien dann die freundliche Parkrangerin und uns erwartete eine einstündige ausführliche Unterweisung über folgende Informationen in Bezug auf den WCT: - Verhaltensweisen bei Begegnung mit Bär und Puma - Lesen bzw. Benutzen der Streckenkarte und der Tidetable. - Zustand des WCT in Bezug auf Leitersysteme, Brücken, Boardwalks und Cable Cars. - sonstige gerade aktuell vorhandene Gefahren. - sowie Tipps und Ratschläge zur Wegführung des WCT. Nach Ausfüllen der Anmeldepapiere wurden wir noch mal richtig abgezockt: 170 CAD/Person zahlten wir dafür, sich acht Tage lang durch unbekanntes Gelände und Gefahren zu quälen. Wenn ich es nicht genau anders wüsste würde ich sagen einen Schuss masochistische Veranlagung muss da schon vorhanden sein. Wieder im Freien erwartete uns, na was wohl, Regen. Bis zur Überfahrt über den Gordon River durch einen Indianer hatten wir noch etwas Zeit und die Rangerin hatte wohl angesichts des Sauwetters Erbarmen mit uns und servierte noch einen heißen Tee. Danach schlenderten wir zur Anlegestelle des Einheimischen der gerade zwei angekommene Hiker von der anderen Seite holte. Neugierig betrachteten wir die zwei Männer die das geschafft hatten was noch vor uns lag. Dreckig und ein wenig erschöpft sahen die zwei durchaus kräftig und durchtrainiert ausschauenden Kerle schon aus, aber davon kann man wohl ausgehen wenn man den WCT hinter sich gebracht hat. Also rauf auf das Boot und in etwa 5 Minuten standen wir vor der grünen Wand, was sich kanadischer Regenwald nannte. Noch mal durchatmen, einen Abschiedsgruss Richtung Fährmann geschickt, und nach 10 Metern hatte uns die Wildnis schon verschluckt. Die ersten 30 Minuten ging es erst mal stramm bergauf, den bewölkten Himmel sahen wir jetzt nur noch bruchstückweise und auch die gelegentlichen Schauer waren noch zu ertragen, das grüne Dach hielt noch dicht. So kamen wir eigentlich flott voran, aber nach etwas 1 Stunde bekam ich doch langsam zu spüren was es heißt mit rund 22 Kilo auf dem Buckel über diverses Wurzelzeug, Steine und Schlammlöcher bergauf und bergab zu springen bzw. zu balancieren. Und mir wurde bewusst wie wichtig es war nicht an den Trekking- Schuhen und Wanderstöcken gespart zu haben. Unsere erste Rast legten wir dann nach etwa 1,5 Stunden und schätzungsweise 2 Km an einer günstigen durch umgestürzte Bäume als Sitzplatz nutzende Stelle ein. Was für ein wohliges Stöhnen war das, als wir uns der Rucksäcke entledigten. Obwohl bis jetzt vom Regen verschont waren alle nass bis auf die Haut. Wäre ich jetzt Zuhause gewesen hätte ich gesagt “So, das war es für heute, es reicht”. So aber schob ich mir noch ein paar Traubenzucker in die Gusche, noch ein Schluck aus der Flasche und weiter ging es meistens hinauf. Das erste Leitersystem lies auch nicht lange auf sich warten, war aber ohne Probleme zu meistern. In der Zwischenzeit war aus den gelegentlichen Schauern Dauerregen geworden und unser grünes Dach wurde langsam undicht. Das war uns jetzt aber auch so ziemlich scheißegal, weil nass waren wir so oder so. Nächste Rast dann an einer Holzfällermaschine aus alten Zeiten, den verfluchten Rucksack auf einem Baumstamm abgestützt und durchgeatmet. So langsam aber sicher meldeten Schulter und Rücken an den dafür zuständigen Gehirnteil das sie langsam die Schnauze voll hatten. Aber eins trieb mich und wahrscheinlich auch die Anderen immer wieder an, der gesunde Ehrgeiz den Trailer zu schaffen und untereinander bzw. später vor unseren Kollegen nicht als Depp dazustehen. Denn die Diskussion über Gelingen unseres Vorhabens im Vorfeld durch unsere Arbeitskollegen war nicht ganz ohne. Nach einer weiteren Stunde erreichten wir dann den höchsten Punkt des Trailers, gekennzeichnet durch die üblichen gelben Schilder mit der auch jeder einzelne Kilometer bekannt gegeben wurde. Wobei wir diese Kilometerangaben immer mehr bezweifelten, nach den Schmerzen unserer Knochen zu urteilen hatten wir schon 20 Kilometer hinter uns. Dann sahen wir auch das erste mal den Pazific mit seiner wilden Steilküste. Ehrlich gesagt, interessierte mich dieser Anblick erst einmal wenig, denn mittlerweile hatte ich nur noch eines im Sinn, das Ende dieser Etappe baldmöglichst erreicht zuhaben und wenn möglich, ohne mir dabei die Knochen zu brechen. Den Rucksack beleidigte ich nun immer öfter und heftiger, er konnte sich ja nicht wehren. Der Abzweig zum Campground gab uns dann noch mal einen kleinen Energieschub, dachten wir doch es wäre gleich vollbracht. Dabei brauchten wir nochmals 45 Min., dann standen wir vor der Leiter die zum Strand hinunterführte. Ich muss sagen es war die längste Leiter die ich je im Leben gesehen hatte und es war weiss Gott nicht die Längste auf dem Trailer, wie wir später noch erfahren mussten. Das Ziel vor Augen ließen wir uns von der Länge dieser Leiter nicht mehr beeindrucken. Mein Gott wir hatten es geschafft, die angeblich schwerste Etappe des Trails. Der Rucksack flog als erstes runter, dann besinnen, durchatmen, abschalten. Nach 15 Minuten beendeten wir das Wachkoma und das Gewicht der Rucksäcke wurde erleichtert in dem wir die 4 Büchsen Bier vernichteten, die wir idiotischerweise mitgenommen hatten. Mein ausgemergelter Körper dankte es mir in dem mir erst einmal kotzübel wurde. Ich fragte mich denn auch ob ich auf der ersten Etappe schon meinen Verstand verloren hatte, weil Alkohol wahrscheinlich das Einzige war was ich jetzt nicht gebraucht hätte. Mittlerweile hatte es sich auch so richtig schön eingeregnet und ein Blick zum Himmel versprach nichts Gutes. Gott sei Dank hatten wir auch eine ca. 6m² große Regenplane dabei, über die im Vorfeld diskutiert wurde ob wir sie überhaupt mitnehmen. Zum Glück hatte der Verstand gewonnen. Ein umgestürzter Baumstamm mit seinen in den Himmel ragenden Ästen diente Gerhard dann als Dachkonstruktion, und danach uns und unseren Rucksäcken als Regenschutz. Ein einsamer Wanderer lag auch schon am Strand neben den sich Gerhard und Tobi mit Ihrem Zelt breit machten. Gerhard, einen leichten Hang zum Egoistischen, war denn auch in den anderen Etappen immer der Erste beim Aufbau seines Zeltes. Jens, unser heimlicher Führer hingegen, hatte die Ruhe gepachtet, was mich manchmal unruhig machte. Aber wie in den meisten Fällen: Jens hatte recht, wir mussten uns erst einmal ums Feuer kümmern, wollten wir doch heute unsere Steaks verzehren und vor allen Dingen wenigstens einen Teil unserer Klamotten trocknen. Wie jeder weiß, Feuer mag trocknes Holz und Dieses war natürlich Mangelware. Erst nach intensiven Suchen im Unterholz des Waldes, gelang es Tobi und mir ein paar grössere Äste zu bergen. Und dann sah ich Ihn: In einer Entfernung von rund 100m trollte sich doch tatsächlich ein kleiner Schwarzbär und kam direkt auf uns zu. Nachdem ich mit meiner “zarten Stimme”, die wahrscheinlich noch in Port Renfrew zu hören war, jeden Bescheid gegeben hatte und Jens nach Gerhard schrie, der sich langgelegt hatte, bekam es Meister Petz doch mit der Angst zu tun und in aller Seelenruhe machte er sich aus dem Staube. Nach geraumer Zeit hatte es Jens mit unendlicher Geduld geschafft ein Feuer zu entfachen und Dank seines kleinen mitgeführten Grillrostes zauberte Er wunderbare Steaks, die wir uns mit ein paar Scheiben Brot unter dem tropfenden Dach des Urwaldes schmecken ließen. Da die Dämmerung unaufhaltsam näher kam, machten sich Jens und ich daran auch unser Zelt an einen einigermaßen geschützten Ort aufzubauen. Machte bei den Regen unendliche Freude. Bis gegen 22:00Uhr hielten wir dann noch krampfhaft das Feuer am Leben und versuchten wenigstens die Strümpfe und Schuhe zum trocknen zu bringen, misslang uns natürlich gründlich. Ein Pärchen tauchte, auf der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz, auch noch auf und konnte sich wohl nicht entscheiden. Erst als wir schon im Zelt lagen hörten wir Sie draußen wieder werkeln. Sie hatten wohl doch nichts Besseres gefunden. Im Zelt dann auf meiner ISO-Matte liegend, der Regen trommelte mit wachsender Begeisterung auf das Zeltdach, lies ich den Tag Revue passieren. Zwischendurch bekam ich in allen beiden Beinen ständig Wadenkrämpfe die mich noch einige Zeit wach hielten und stolz dachte ich daran die angeblich schwierigste Etappe unter doch ziemlich widrigen Umständen geschafft zu haben, nichts ahnend was am nächsten Tag auf uns zukam.
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Tag 2 Trasher Cove (Km70) - Camper Bay (Km62)
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25.09.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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15
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11
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13
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13,6
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06:00 Uhr, ich hatte es schon ständig im Halbschlaf wahrgenommen, dass Trommeln auf das Zeltdach. Es regnete in Strömen und mein Körper war ein einziger Muskelkater. Eine gehörige Portion Überwindung war notwendig um sich erst aus dem Zelt und dann in die feuchtnassen Klamotten zu quälen. Auf dem Weg zur Regenplane kreuzte mein Blick die lange Leiter zum Trail und mir wurde Angst und Bange. Dort waren Tobi und Gerhard auch schon am Wirken, aber glücklich sahen die Beiden auch nicht aus. Die Morgenwäsche fiel genauso aus, wie am gestrigen Abend schon die Abendwäsche. Unser Frühstück, wie fast jeden Früh: ein Energieriegel. Nachdem Jens, unser Langschläfer, sich auch aus dem Zelt geschält hatte waren Entscheidungen zu treffen: - Sollten wir heute hier bleiben und warten bis der Regen aufhört? Dann könnte es sein, das wir in 3 Tagen noch hier sitzen. - welche Strecke nehmen wir? Zurück zur Hauptroute oder den Weg über die Steilküste? Und nun trafen wir eine Fehlentscheidung aus folgenden Grund: Beim Gedanken an die 50m- Leiter und den anschliessenden Marsch von über einen Kilometer zurück zum Haupttrail, klingelten bei meinem Körper sofort sämtliche Alarmglocken. Meine drei Mitstreiter hatten wohl ähnliche Gedankenblitze und schon hatte die Route über die Steilküste gewonnen. Anhand der Tide-Table (Gezeitenplan) stellten wir fest, dass der Höchststand der Flut um 09:50 und der Tiefstand bei Ebbe um 15:43Uhr zu erwarten ist. Aller Warnungen zum Trotz machten wir uns gegen 09:00 Uhr auf den Weg und was uns nun erwartete war Schinderei allererster Sorte. Durch den Regen klitschiges Treibholz, umgestürzte Bäume, Klippen und Felssteine über Felssteine fein mit Moos bewachsen und deswegen aasglatt brachten uns schon die ersten hunderte Meter zur Verzweiflung. Diese verdammte Glätte machte ein wirklich zu schaffen und man musste sich wirklich aufs höchste konzentrieren wo man seinen Fuß hinsetzte. Nach 500m ging jedenfalls nichts mehr, die Flut machte den Weg dicht. So spannten wir unsere Regenplane auf einen Felsvorsprung, wo wir Vier mit Müh und Not Platz hatten und warteten und warteten, ich schätze mal so ca. 1h. Gerhard riss dann der Geduldsfaden und schaute als Vorhut schon mal ob es nicht doch weiter ging. Und es ging. Übelstes Rumklettern und ständiges rutschen wie auf Schmierseife um 200m weiter zukommen, denn dann war der Weg wieder dicht. Diesmal fanden wir einen Felsvorsprung zum Unterstellen. Geschätzte 1,5h fixierten wir nun markante Punkte im Wasser um den Rückgang der Flut zu verfolgen und die hatte es weiß Gott nicht eilig. Jetzt machten Jens und Tobi die Vorhut und weiter ging es. Nun war die Strecke nur noch eine einzige Kletterei. Ich dachte es ist nur noch eine Frage der Zeit wann sich hier der Erste die Knochen bricht. Über Riesenbaumstämme drüber oder auf den Bauch unten drunter, Felsen über Felsen, ständige Ausweichmanöver wenn die Wellen zu nah kamen, ich hatte jetzt schon die Faxen Dicke und wir hatten vielleicht gerade mal 1- 2 Kilometer geschafft. Dann kamen immer öfter diese so genannten Surge Channels. Das sind Gräben, die je nach Stand der Flut leichter, schwieriger oder gar nicht passierbar sind. Da die Flut noch ziemlich hoch war, kamen wir um manche artistische Einlagen nicht herum. Ich glaube gegen 13:00 Uhr trafen wir dann auf ein vom Wasser ausgespültes Höhlensystem das noch teilweise unter Wasser stand. An einem Seil hangelten wir uns erst einmal auf einen Felsvorsprung um den weiteren Weg zu erkundigen. Doch auch dort war erst einmal Ende. Auf der anderen Seite des Surge Channels kam uns eine Jugendgruppe entgegen, deren Führer versuchte auch gerade sich vom Felsvorsprung herabzulassen. Das sah auch schon nicht gerade lustig aus. In der Zwischenzeit hatte Gerhard sich wieder zurück zur Höhle gemacht und tauchte nach 5 Minuten auf der anderen Seite des Felsvorsprungs auf und traf dort auf den Führer der Jugendgruppe. Dann geschah folgendes Dilemma: Während Jens noch ein paar Fotos schoss, balancierte Tobi auf einen schmalen und elend glatten Felsvorsprung um Gerhard zu folgen, rutschte natürlich ab und stürzte rund 1,5 Meter tief ins Wasser. Sah gefährlich aus, war aber eine glatte Bauchlandung und der Rucksack blieb hauptsächlich über Wasser. Ich Volltrottel folgte Ihm, vielleicht war Hilfe nötig, machte die gleiche Übung wie Tobi, landete aber zur Abwechslung mit dem Rucksack unter Wasser. Der erste Gedanke war ob der Reisepass und der Fotoapparat noch trocken waren. Der Reispass war noch trocken, dass war aber auch so ziemlich alles. Mensch hatte ich die Schnauze voll. So geiferte ich erst einmal Gerhard an weil er unbedingt weiter wollte anstatt auf den Rückgang der Flut zu warten. Gerhard geiferte zurück warum ich Rindvieh nicht auf dem Felsen gewartet habe. Zum Glück waren bei uns beiden die Knochen noch heil. Natürlich waren wir nass bis auf die Haut und der Rucksack war nun auch um ein paar Kilo schwerer. Mittlerweile hatten die zwei Führer der Jugendgruppe erst die Rucksäcke und dann die Jugendlichen vom Felsmassiv befördert. Wir hatten nun zu Gerhard aufgeschlossen und Dieser lies sich jetzt von einem Führer auf den Felsen ziehen. Das Gleiche machte dann Gerhard mit uns. Oben angekommen wurden erstmal die Rucksäcke begutachtet. Viel gab es nicht mehr zu retten, war halt alles nass und dementsprechend schwerer waren die Rucksäcke. Weiter ging das Geschliddere bis zum nächsten Surve Channel, ca 2m breit und 2m tief, mir kam schon das kalte Grausen. Gerhard der Wahnsinnige, hing schon wieder an einer Felswand und versuchte so den Graben zu überwinden. Doch dann entdeckten wir einen gekennzeichneten Zugang zur Steilküste hin wo auch ein Seil befestigt war. Durch diesen Zugang bahnte sich aber auch das Regenwasser den Weg zum Pacific und kam uns entgegen. Und so zogen wir uns erst am Seil auf den Zugang und krochen dann auf allen Vieren im Wasser den Hang hinauf, war eh wurst, wir waren ja schon einmal unter Wasser. 50 Meter weiter ging es wieder zurück zur Küste und der Surve Channel war überwunden. Irgendwann kamen wir dann an den Punkt, wo es nur noch auf dem Trail weiter ging. Laut Karte waren es jetzt noch 4 Km. Zum Glück kamen jetzt ein paar so genannte Boardwalks, so eine Art Laufstege aus Holz in mehr oder weniger guten Zustand. Ein Auge für die Natur hatte ich jetzt schon lange nicht mehr, ich hatte genug mit mir und dem Rucksack zu kämpfen. Irgendwann bemerkten wir sogar dass es aufgehört hatte zu regnen. Plötzlich dann wieder ein Leitersystem und unten sahen wir dann auch schon den Camper Creek fliesen. Am Fluss angekommen bestiegen wir dann noch unsere erste Cable Car und überquerten den Camper Creek. Gegen 16:30 schmiss ich den Rucksack vom Rücken und schmiss mich gleich hinterher. Bär und Puma hätten jetzt leichtes Spiel gehabt, Widerstand wäre gleich Null gewesen. Wir waren gegen 09:00 Uhr gestartet, haben also für die 8 Kilometer rund 7,5h gebraucht, wirklich eine Glanzleistung!! Gerhard hatte mir im Vorfeld der Reise mal gesagt “wie schön das dann Abends ist am Feuer und die Sonne geht unter und Du die Strapazen vergisst und Natur usw”. Der Witzbold!! Feuer? Bei strömenden Regen? Mit was denn bitte schön? Sonnenuntergang? Gibt's in der Gegend überhaupt Sonne? Strapazen vergessen? Bei jeder Bewegung die ich machte, dachte ich, es fährt eine Dampfwalze über mich drüber. Natur? Die war den ganzen Tag mein Erzfeind gewesen, das reichte mir erstmal. Abends dann zauberte Gerhard noch eine warme Mahlzeit auf seinen Gaskocher, Wasser wurde noch abgekocht und dann kam auch schon die Dunkelheit und das Zelt musste aufgebaut werden. Mir graute es schon vor meinem nassen Schlafsack. Zum Glück hatte Gerhard noch ein paar Strümpfe und ein T-Shirt übrig. Die Fleece- Jacke, die ich in einem Plastebeutel verstaut hatte, war auch noch einigermaßen trocken und das war dann auch meine Nachtbekleidung. Auch die Wadenkrämpfe vom ersten Tag waren mit gewandert und egal wie ich mich auch drehte, kein Knochen schien mehr am richtigen Platz zu sitzen.
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Tag 3 Camper Bay: ungeplanter Stop zum Klamotten trocknen
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26.09.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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15
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10,5
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12,8
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2,7
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Seit 05:00Uhr hatte ich schon die Lauscher gespannt, aber das typische Regentrommeln auf die Zeltplane blieb aus und ich schickte eine Reihe Stossgebete nach oben, damit das auch erst einmal so blieb. Beim rausschälen aus dem Schlafsack gab mir mein Körper zu verstehen das er hauptsächlich aus Knochen besteht und jeden Einzelnen davon merkte ich. In der Hoffnung das der Tag heute vom Regen verschont blieb, beschlossen wir unsere durch und durch nassen Klamotten einschließlich Schlafsack usw. zu trocknen. Dazu musste erst einmal eine Unmenge an einigermaßen trockenem Holz herbei geschafft werden. In der näheren Umgebung war natürlich alles abgegrast, wir waren ja die Letzten in dieser Saison, so wateten wir durch den Camper Creek zum Strand und wurden auch fündig. Beim Holzsammeln war Jens einsamer Spitzenreiter - da konnte keiner von uns mithalten. Ausdauernd und geduldig lief Er manchmal mehrere Hundert Meter und immer mit Erfolg. Auch Tobi und Ich hatten ein paar mittlere Holzstämme aufgetrieben und die Schlepperei durch den Fluss war wegen der Strömung und den glatten Untergrund auch kein Vergnügen. Nach einer Stunde jedenfalls loderten die Flammen. In der Zwischenzeit hatte Gerhard Tee gekocht und nach Verzehr des üblichen Energieriegels machten wir uns ans trockenlegen unserer Sachen. Leinen wurden gespannt rund um das Feuer legten wir Stämme, auch die wurden belegt. Gerhard kochte dann auch das erste mal etwas Handfestes aus unseren Trockenfutter, schmeckte recht lecker. Später dann, man sollte es kaum glauben, beehrte sie uns doch - die Sonne. Der richtige Augenblick mal wieder Wasser an den Körper zulassen und rein ging es in den Camper Creek. Ein wirklich angenehmer von Sonne erwärmender Nachmittag lies uns die Leiden von gestern langsam wieder vergessen. Wunden lecken war angesagt. Am Abend dann erschien noch eine Horde Kanadier die uns dann eine Bärenwarnung überbrachten, ansonsten aber nicht gerade das Gespräch suchten. Ein jüngeres Pärchen, das sich etwas abseits niedergelassen hatte, baute dann sicherheitshalber ihr Zelt bei uns in der Nähe auf. Die Klamotten trockneten dann doch langsamer als wir dachten und wir packten sie noch dichter ans Feuer. Das war dann die Ursache dafür, dass ich zwei an den Zehen verkohlte Strümpfe hatte. Bei den Strümpfen vom ersten Tag war die Ferse auch schon durch. Tja und mehr wie zwei Paar gab's halt nicht. Gerhard war dann so freundlich und lieh mir noch welche. Auch die Schuhe waren nicht trocken zu bekommen, uns fehlte das Papier zum Ausstopfen. Sogar meinen abgesoffenen Fotoapparat legte ich zum Trocknen ans Feuer. Ich wartete dann noch drei Tage um die Elektronik trocken zulegen. Am Tsuiat Falls dann das kleine Wunder, er funktionierte reibungslos. Ich konnte es gar nicht glauben. Später wurden noch die Trinkwasservorräte für den nächsten Tag fertig gemacht. Dazu wurde das Wasser aus dem Fluss abgekocht und in zwölf 0,5 Literflaschen abgefüllt, die Hälfte davon mit je einer Magnesiumtablette. Das war dann jeden Abend schon eine Zeremonie, die meistens Tobi und Ich veranstalteten. Abends dann im Zelt wieder Stossgebete nach oben- umsonst, in der Nacht trommelte es schon wieder aufs Zeltdach, dafür waren die Wadenkrämpfe wenigstens verschwunden.
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Tag 4 Camper Bay (Km62) - Walbran Creek (Km53)
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27.09.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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17
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11,5
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14,3
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2,3
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Gegen 6:00 Uhr, es trommelte mal wieder. Mir war das jetzt langsam scheißegal, ich hatte mich jetzt mental soweit, es gab kein zurück mehr, nur noch das Ziel und das hieß nun mal Pachena Trailhead. Also rein in die feuchten Klamotten, irgendwie gewöhnt man sich an alles. Wie jeden früh Energieriegel und dann gegen 08:30 Start ins nächste Elend. Nachdem ersten Leitersystem wechselten sich Schlammlöscher ohne Ende ab. Trotz Gamaschen hatten meine Schuhe keine Chance eine trockene Innenhaut zu bekommen. Ich war wieder froh die Stöcke bei mir zu haben. Meistens waren jetzt Tobi und ich vorn, weil Gerhards Knieprobleme immer größer wurden. Außerdem wurden von den Beiden jetzt auch öfters mal ein paar Naturfotos geschossen. Wir nutzten unseren Vorsprung immer für eine kleinere Rast wo wir uns der Rucksäcke entledigen konnten. Die machten uns nach wie vor zu schaffen. Leitersysteme gab es auf dieser Etappe auch mehr als genug, was mir persönlich aber sehr entgegen kam. Denn die Chance sich beim Klettern an der Leiter die Knochen zu brechen waren um einiges geringer, als das Rumgehopse das wir veranstalteten, um über diverse Schlammlöscher, Baumstämme, riesige Wurzeln und Steine an steilen Steigungen und Senkungen zu kommen. Das Leitersystem was uns am Flüsschen Cullite Creek erwartete, hatte es aber in sich. Der Fluss hatte sich in Jahrmillionen in eine tiefe Schlucht gefressen. So ging es erst einmal rund 180 Stufen hinab zum Fluss, dort setzten wir mit der Cable Car über, um dann wieder 170 Stufen hinauf zum Trail zu gelangen. Das Gefährt was sich Cable Car schimpft war eigentlich eine angenehm lustige Sache, konnte man sich doch mit den schweren Rucksäcken hinsetzen und für ein paar Minuten wirklich mal die Natur in toller Aussicht genießen. Das machte bis zur Mitte der Seilbahn auch viel Spaß, dann war besonders beim letzten Drittel reine Muskelkraft gefragt. Oben angelangt riss der Himmel auf und dann erstrahlte sie in vollem Glanze, unser langvermisster Stern, der sich Sonne schimpft. Und was noch schöner war, jetzt kam ein ziemlich langer Boardwalk der durch normalen Mischwald führte und uns wurde richtig angenehm warm und vor allen Dingen, es ging mal richtig schnell vorwärts. Weiter, rund 2 Kilometer über nicht enden wollende Schlammlöcher, als Kind damals hätte ich Freude gehabt ohne Ende. Dann kam wieder ein Highlight, eine Hängebrücke über den Logan Creek, ziemlich hoch, schmal und wacklig, belohnt wurden wir mit einer wunderbaren Aussicht. Weiter mit Leitersystem, Schlamm ohne Ende, umgestürzte Bäume, schön glitschig, damit es einen nicht zu gut geht. Aber selbst die diversen verfluchten Schlammlöscher auf den letzten Kilometern konnten uns die Laune nicht mehr verderben. Zum Schluss, gegen 14:30 Uhr, ging es noch mal mächtig die Leiter hinab um zum Ufer des Walbran Creek zu gelangen, unserem Tagesziel. 6 Stunden für 11 Km!! Sind wir zu Schnecken mutiert, oder was? Nein, es waren 11 Km auf dem WCT und das ist halt kein Fahrradweg. Und dann? Ja und dann war es wie als hätte man Urlaub. Wir waren allein am Fluss, die Sonne strahlte, als hätte sie ein schlechtes Gewissen ob der letzten verregneten Tage, selbst mein Knochen hatten es aufgegeben Schmerz ans Gehirn zusenden. Und erst jetzt konnten wir unsere Klamotten ausbreiten und von der Sonne trocknen lassen. Tobi und Ich stürzten uns dann übermütig in den Logan Creek, der Spaß war nach ein paar Minuten freilich vorbei, das Thermometer, von Gerhard extra mitgeführt, zeigte 11 Grad an. 100 Meter weiter über den Dünen dann die wunderbare Aussicht auf den Pacific, herrliche Wellenbrecher rollten heran, ja! und jetzt wusste ich auch was Gerhard meinte mit Strapazen am Ziel vergessen usw. Abends kam dann noch ein einsamer Hiker an und was berichtete der gute Mann? Der Wetterbericht sagte für die nächsten 3 Tage Sonne pur! Ich hätte Ihn die Füße küssen können.
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Tag 5 Walbran Creek (Km53) - Crips Creek (Km42)
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28.09.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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18,5
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13,3
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07:30. Noch war es kalt, aber man konnte schon erahnen, dieser Tag brachte Sonne pur. So fuhren wir nach der üblichen Morgenzeremonie erst einmal mit der Cable Car über den Walbran Creek und auf der anderen Seite angekommen ging es dann weiter entlang des Strandes. Regenjacke und Hose waren jetzt im Rucksack tief unten verstaut, dafür war jetzt Kopfbedeckung gefragt. Eigentlich dachten wir mehr an einen Spaziergang am Strand als wir so los marschierten, aber ein Spaziergang war es wahrlich nicht. Meistens war der Sand locker, so das wir mit jeden Schritt, auch auf Grund des Rucksackgewichtes, einsanken und mit zunehmender Dauer die Beine immer schwerer wurden. Mal versuchten wir es nah am Wasser wo der Sand ziemlich verdichtet aussah, aber auch das brachte meistens nichts. Da die Flut laut Tabelle am Kommen war konnten wir nur manchmal auf den steinigen Meeresgrund, der bei Ebbe vom Wasser frei ist, ausweichen. Irgendwie scheinen wir kein Verhältnis zu den Gezeiten zu haben. Denn wie schon auf der dreimal verfluchten 2 Etappe von Trasher Cover zum Camper Creek liefen wir wieder bei viel zu hohen Wasserstand durch die Kante. So kam es erneut zu Schwierigkeiten als wir zwischen Km 50 und Km 49 hart an der Steilküste, über schmierige Felssteine springend, der Flut ausweichen mussten. Tobi vor mir machte mal wieder eine Rutschpartie und konnte sich gerade noch so abfangen. Manchmal hatte ich so das dumme Gefühl als ob Ihn das Meer magisch anzieht. Gerhard seinem Gesicht sah man auch an wie sehr Er mit seinem Knie zu kämpfen hatte, vor allen die Leitersysteme und der tiefe Sand machten Ihm zu schaffen. Nur Jens unser Profi sah aus als ginge ihm das alles am Ar…. vorbei. Mit welcher Ruhe und Gelassenheit Er den WCT durchquerte nötigte mir wirklich allen Respekt ab. Bei Ankunft einer jeden Etappe, wenn wir noch ausgepumpt auf den Baumstämmen ruhten, war Jens schon wieder auf Spur und sammelte Holz ohne Ende. Also wenn alle Polizisten in unseren Land konditionell so drauf sind, möchte ich Sie nicht als Gegner haben. Jedenfalls waren wir schon wieder hart an der Schmerzgrenze als wir von weiten den Leuchtturm am Camanahpoint sahen. Von diversen Reiseberichten wusste ich das es dann bis Chez Monique, eine Art Raststätte die ein geschäftstüchtiges Indianerehepaar unterhielt, nun nicht mehr weit ist. Freilich waren es dann immer noch rund 3 Km bis wir endlich fix und fertig, aber voller Vorfreude auf Dosenbier und Hamburger das Areal betraten. Die Jugendtruppe von 3 Mädels und einen Jungen die uns dann dort über den Weg liefen machten uns schon stutzig. Von Madam Monique und Partner weit und breit keine Spur, denn die Saison war für Sie zu Ende. Wir waren halt die letzten auf den Trail in Richtung Bamfield, mit uns hatte keiner mehr gerechnet. Die 4 Jugendlichen arbeiteten für eine internationale Arbeitsorganisation die jungen Leuten auf der ganzen Welt Arbeit vermittelt. Sie waren beim Zusammenpacken und machten die Bude winterfest. Jedenfalls konnten wir unseren Hamburger abhaken, dafür gab es ersatzweise noch Toastbrot, ein Beutel Parmesankäse, Marmelade, auch Margarine fand sich noch und vor allen Dingen zauberten die netten jungen Leute noch ein 12er Pack Dosenbier herbei, was unser Stimmungsbarometer sofort in die Höhe trieb. Nun futterten wir zwar keinen Hamburger, aber uns schmeckte es trotzdem, denn Hunger stellt bekanntlich keine Ansprüche. Der ganze Spaß kostete uns gerade mal 40 Dollar. Ja und dann kam der konditionelle Einbruch. Wir waren satt, jeder hatte zwei Büchsen Bier getrunken, die Sonne machte ihren Namen alle Ehre, nette Mädels waren auch da, wir wären am liebsten noch länger hier geblieben, aber der von uns erstellte Zeitplan hatte was dagegen. Nach ca. 1 Stunde zwangen wir unsere müden Treter endlich wieder für uns zu arbeiten. Da uns das Sandgelatsche langsam müde machte versuchten wir unser Glück wieder auf den Trail, um dann die letzten 2 Km wieder auf dem Strand zurück zulegen. Gegen 15:30 waren wir am Crips Creek und durchatmen war angesagt. Ich machte mich dann erst einmal zurück durch den Crips Creek zum Strand um das schöne Wetter zu nutzen und endlich mal ein Bad im Pacific zu nehmen. Die Temperatur des Wassers und der ziemlich hohe Wellengang der ein ständig mit Sand eindeckte trieb mich aber nach 5 Minuten wieder raus. Währenddessen hatte Gerhard, der Naturfreak, ein Weiskopfadlerpärchen hoch oben in den Wipfeln einer Sitkafichte entdeckt und versuchte wohl das Foto des Jahrhunderts zu schießen. Jens war schon wieder beim Holz suchen, Tobi und ich schlossen uns an, denn heute wollten wir mal zur Abwechslung keine Nudeln, nein, heute sollte Kaiserschmarrn auf die Teller. Viel gehörte ja nicht dazu das Fertigpulver anzurühren, aber mit unserer provisorischen kleinen Bratpfanne war das dann alles doch nicht so einfach. Nach dem Vierteilen und Wenden der Teigmasse mit dem Löffel, brauchte es schon viel Phantasie um zu erkennen was da in dieser Pfanne vor sich hinbrutzelte. Aber geschmacklich hatte es schon etwas und das Wichtigste, es machte satt, bloß das Auge durfte halt diesmal nicht mitessen.
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Tag 6 Crips Creek (Km42) - Tsusiat Falls (Km25)
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29.09.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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18,5
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Ein Blick aus dem Zelt heute früh sagte mir die Sonne wird uns mit ein wenig Glück den ganzen Tag begleiten. Der Blick in den Verpflegungsbeutel zeigte, heute Nacht waren Mäuschen aktiv, etliche Energieriegel waren angeknappert. Das ging auf meine Kappe, hatte ich doch vergessen den Beutel in den Bärencontainer zu schaffen. Das Positive daran: Die Mäuschen waren da und nicht die Bären. Da diese Etappe mit 17km heute die längste während des gesamten Trails werden sollte, beschlossen wir ausgiebig zu frühstücken. Nudeln mit Tomatensouce und Käse sollten uns heute den nötigen Energieschub verleihen. Danach bekamen wir zu spüren, dass unser Papiervorrat zur Neige gegangen war. Tempotaschentücher hatte ich ja auf der 2 Etappe vernichtet ( Sturz von Klippe) und so zerschnitt ich mein angebranntes zweites paar Socken in gleich große Streifen, und das war dann für die nächsten zwei Tage mein Toilettenpapier. Gleich am Anfang kraxelten wir auf den Shelf (Felsdünung) und nach rund 1 Km machten wir uns auf den Trail, denn von den Sandgestampfe hatten wir erst einmal genug. Dort erwartete uns das übliche Dilemma: Schlamm, freiliegende glitschige Wurzeln, verfaulte und schräg liegende Boardwalks, teilweise hart am Abgrund liegend, dafür aber herrliche Aussicht auf die Küstenlandschaft mit samt den Buchten steil unter uns liegend. Teilweise waren sogar Aussichtspunkte angelegt wurden. Zunehmend, vor allen wenn es durch Indianerreservate ging, gab es auch mal bessere Abschnitte mit Boardwalks und lichten Mischwald. So waren wir gegen 13.30Uhr an den Nitinat Narrows der nur mit Boot zu überqueren war. Voller Freude sahen wir auch gleich einen jungen Mann an der Anlegestation, Boot war auch da und wir hofften gleich übersetzen zu können. Nach kurzen Gespräch erfuhren wir das der Fährmann sich gerade beim Fischfang aufhielt und das er ohne Erlaubnis desselbigen das Boot nicht bewegen darf. Nach etlichen Versuchen mit dem Funkgerät Verbindung, wahrscheinlich mit seinem Chef zu bekommen, gab er auf und schipperte mit einem Kahn abseits des Steges davon. So merkten wir erneut das Ende der Saison und wir machten es uns erst einmal in der Sonne gemütlich. Von Dosenbier, Krabben, Lachs und Kartoffeln wie es in vielen Berichten geschrieben wurde, keine Spur. Zwischendurch sahen wir auch mal ein Boot mit Waldarbeitern durch das Wasser flitzen, die dann auf der anderen Seite beim Zugang zum Trail tätig wurden, doch denen interessierte es auch einen Dreck was sich auf dem Bootssteg abspielte. Nach 1,5 Stunden hatten wir die Schnauze voll und jeder von uns übte sich erst einmal darin wer am lautesten schreien konnte. Gegen 15:30 Uhr kam unser junger Freund wieder und wir harten der Dinge die jetzt wohl geschehen würden. Nach 15 Minuten war Er umgezogen, in Feierabendtracht ging es zum Funkgerät, dass jetzt auch auf einmal funktionierte und nach kurzen Disput, mit wem auch immer, winkte er uns doch tatsächlich gnädigerweise ins Boot und los ging es. Na prima, für die zwei Minuten Überfahrt hatten wir zwei Stunden verloren. Bis zum Km 28 machten wir unsere nun schon bald zur Gewohnheit gewordenen artistischen Einlagen auf dem Trail um dann wieder im tiefen Sand den Rest zu kriegen. Tobi, der meistens vor mir marschierte, zeigte das Er 25 Jahre jünger war und legte ein strammes Tempo vor, das Ziel zog Ihn wohl magisch an. Mittlerweile machten meine Füße wieder Meldung ans Großhirn das sie sich das nicht mehr lange gefallen lassen und der Rücken schloss sich dem an. Von weiten sahen wir dann den weit ins Wasser hinein reichenden Felsbogen am Tsusiatpoint und ich dachte eigentlich das gleich dahinter der Tsusiat-Wasserfall lauerte. Dementsprechend glücklich näherten wir uns dem Felsbogen und dort setzte ich meine Schuhe trotz Gamaschen wieder unter Wasser, weil natürlich die Flut schon wieder im Kommen war. So richtig trocken waren die Schuhe während der ganzen Tage sowieso nicht geworden. Wir hätten noch eine Stunde warten können dann wäre die Flut soweit zurück gewesen das man einigermaßen trocknen Fußes durch gekommen wäre. Aber wir hatten schon bei den Nitinat Narrows zwei Stunden verloren und wollten unbedingt noch vorm Dunkelwerden unterm Wasserfall stehen. Aber nach passieren des Tsusiatpoints war weit und breit nichts vom Wasserfall zusehen und ich hatte jetzt echt die Schnauze wieder voll. Egal ob direkt am Wasser bei nassen Sand oder zur Steilküste hin im trockenen Sand die Beine wurden immer schwerer. Doch irgendwann hatten wir das Ziel vor den Augen. Noch mal Zähne zusammenbeißen und nach einer halben Stunde schmiss ich meinen Erzfeind den Rucksack in den Sand und mich gleich daneben. 10 Minuten reichten mir zur Erholung und dann wollte ich es wissen. Die Sonne gab noch Ihr Bestes als ich direkt unterm Wasserfall stand und dann genoss ich das Gefühl was ich bisher nur aus Reiseberichten kannte. Und es ist doch keine Floskel wenn alle sagen jetzt vergisst man die Strapazen. Jetzt wusste ich der WCT wird geknackt und trotz aller Unkenrufe war es mein erster Trail überhaupt im Leben. Aber mir ist auch klar das ich das nicht allein geschafft hätte. Jens und Gerhard hatten die Erfahrung und das nötige Wissen über solche Touren und mit Tobi hatte ich faktisch einen Leidensgenossen, der unter den gleichen Vorraussetzungen gestartet war wie ich selber und geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Das kalte Wasser trieb mich dann aus dem Naturpool, glücklich und zufrieden machten wir uns auf Holzsuche. Wir hockten heute ein wenig länger am Feuer wie sonst und der Alkoholgehalt im Tee war auch ein wenig höher wie üblich. Das Rauschen des Wasserfalls ging mir dann aber in der Nacht ganz schön auf die Nerven und es war weit nach Mitternacht als mich die Müdigkeit überwältigte.
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Tag 7 Tsusiat Falls (Km25) - Michigan Creek (Km12)
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30.09.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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Auch heute schien uns die Sonne wieder verwöhnen zu wollen, wir waren früh auf den Beinen und hatten Zeit wieder ausgiebig zu frühstücken. Gegen 10:45 hingen wir schon wieder an der Leiter zum Trail rauf und marschierten dann ziemlich flott durch die üblichen Hindernisse des Trails und hatten stellenweise wieder wunderbare Aussicht auf die Steilküste. Beim Klanawa River genossen wir die letzte Fahrt mit der Cable Car und danach führte uns der Weg über ein Baumstamm- und Holzlabyrinth wieder zur Küste sehr zum Ärger von Gerhard und mir. Aber eigentlich kamen wir recht schnell vorwärts und bei Km 20 machten wir uns wieder auf dem Trail. Und Irgendwie hatte man sich nun schon an den Rucksack und den üblichen Hindernissen auf den Trail gewöhnt, denn eigentlich erst jetzt nahm ich die Umgebung bewusst und vor allen Dingen mit Genuss war. Dafür sorgten auch die vielen Aussichtspunkte und Brücken die uns jetzt grandiose Einblicke auf die Küstenlandschaft, tief unter uns liegend, zu bieten hatten. Damit es uns aber nicht zu gut ging, landeten wir die letzten 2 Km wieder am Strand und da die Flut ziemlich hoch stand latschten wir natürlich wieder im tiefsten Sand. Gegen 16:00 Uhr kamen wir, nun doch wieder ziemlich fertig, am Michigan Creek an. Aber schnell erholten wir uns und wollten gerade zum Holz holen ausschwärmen, als Tobi den Schwarzbären in einer Entfernung von rund 80 Metern sah. Der war um einiges größer als das Biest am ersten Tag und darum machten wir erst einmal ordentlich Krawall, was diesen aber vorerst nicht sonderlich aus der Bahn warf. Mit einer Bärenarschruhe war er dann irgendwann im Wald verschwunden und dieser Bär sorgte dann auch dafür das mir beim nächtlichen Wasserlassen doch etwas mulmig war. Dann beim Essen unserer letzten Nudelpampe schworen wir uns alle, dass morgen um die Zeit ein ordentliches Steak auf unseren Teller liegt, wo immer das auch sein mag. Mit zwiespältigen Gefühlen ging es dann gegen 22:00Uhr in die Waagerechte, im Hinterkopf den Bär und das nahende Ende des Trails. Denn so stolz wie ich war den West Coast Trail bewältigt zu haben war ich doch auch etwas traurig dass das Abenteuer sich seinem Ende neigte, auch weil der Körper sich mittlerweile an die Schinderei gewöhnt hatte.
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Tag 8 Michigan Creek (Km12) - Pachena Trailhead (Km0)
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01.10.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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18,5
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14,3
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0,4
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Wir mussten beizeiten los heute, denn spätestens zum Mittag wollten wir in Pachena sein, weil keiner von uns wusste wie wir zurück nach Gordon River kamen, der übliche Saisonbus fuhr ja nicht mehr. So marschierten wir gegen 8:00 Uhr mit den üblichen Energieriegel im Magen los, wolkenfreies Wetter sagte sich wieder an, also uns ging es richtig gut. Und dieser letzte Abschnitt des Trails war auch ganz nach unserem Geschmack. Noch mal sahen wir üppigen Pflanzenwuchs, riesengroße Bäume wechselten sich mit hohen Farnen ab. Den Leuchtturm am Pachena Point ignorierten wir nach kurzer Beratung. Auch die paar Steigungen und Schlammpassagen und das letzte Leitersystem das jetzt noch kam, konnten uns nicht mehr aus der Bahn werfen. Und so erblickten Tobi und Ich, die blutigen Anfänger, gegen 11:30 Uhr die Lichtung und das darauf befindliche Registrations Center, was mir sofort einen kleinen emotionalen Jubelschrei entlockte. Die wahrscheinlich letzte größere sportliche Herausforderung mit meinen 52 Jahren habe ich trotz aller Unkenrufen die von Freunden, Kollegen und Verwanden kamen gemeistert. Nach 15 Minuten kamen dann auch Jens und Gerhard und wir atmeten erstmal tief durch, bevor wir uns im Registrationscenter abmeldeten. Dort hatte man schon auf uns gewartet, wir waren tatsächlich die allerletzten auf dem Trail gewesen. Die Waage die dort stand zeigte an das ich 5 Kilo abgenommen habe, die vielen Steaks die ich die nächsten Tage vernichtete sorgten dafür das dieser Zustand nicht allzu lange anhielt. Nachdem Jens telefonisch eine Fahrgelegenheit nach Bamfield klar hatte, machte uns die nette Dame vom Registrationscenter das Angebot uns mit Ihren Pickup gegen 15:00 Uhr mit nach Gordon River zu nehmen und wir waren echt Happy darüber, hatten wir doch gleich das Problem mit unserer Rückfahrt zu unseren Mietwagen, der in Port Renfrew stand, gelöst. Der Fahrerin die uns nach Bamfield brachte sagten wir nur ” Hunger” und Sie wusste sofort wo Sie uns absetzen sollte. Aber auch in Bamfield war die Saison zu Ende und so landeten wir in den einzigen Laden mitten auf dem Dorfplatz. Der hatte Gott sei Dank offen und die Sandwitches die wir dort erstanden kamen uns vor wie kulinarische Kostbarkeiten, denn der Energieriegel von heute früh war natürlich schon längs durch. Weiterhin wanderten noch ein paar Büchsen Bier und für mich eine Schachtel Zigaretten über den Ladentisch. Und dann zeigten wir der Sonne, die es heute wieder gut mit uns meinte, wie schnell man zwei Portionen Sandwitches vernichten kann. Als ich dann den Laden nochmals betrat und wohl etwas umständlich nach Feuer fragte, sagte die alte Lady im besten deutsch das Sie nur mit Streichhölzer dienen könne und ich sollte doch das nächste mal gleich sagen was ich wolle. Das muss man sich mal vorstellen! Mitten in der Wildnis in einem Nest von 250 Bewohnern trifft man auf eine Landsmännin. Sie erzählte uns dann dass Sie 1952 nach Kanada ausreiste und aus Berlin stamme. Danach rauchte ich meine erste Zigarette nach den Sturz von den Klippen, dazu die Büchse Bier, die Sonne schien uns aufs Haupt, satt, zufrieden und entspannt machte sich ein Glücksgefühl breit wie ich es schon lange nicht mehr hatte. Als dann ein vollbesetzter Schulbus vor unserer Nase hielt und die Kinder uns belustigt anfingen mit ihren Handys zu fotografieren, wurden wir dann doch stutzig. Wir sahen uns alle Viere an und fingen an zu lachen. Mensch, wir sahen aus wie durch den Misthaufen gezogen, noch dazu tranken wir in aller Öffentlichkeit Alkohol und das in Kanada, es dauerte auch nicht lange da war die alte Lady zur Stelle und bat uns eindringlich ein wenig diskreter mit den Alkohol umzugehen. Das taten wir dann auch in dem wir den Rest austranken und wir hofften nur am nächsten Tag nicht in der Dorfzeitung zu stehen. Dann malträtierten wir noch eine Telefonzelle und mein Häschen Kerstin atmete hörbar durch als ich mich nach zehn Tagen meldete. Pünktlich um 15:00Uhr waren wir dann wieder am Registrationscenter wo uns dann die freundliche Rangerin Frau Lori Adams auf Ihren fast nagelneuen Pikup nach Port Renfrew transportierte. Und diese Fahrt war wirklich noch das I-Tüpfelchen nach unserer Wanderung auf dem Trail. Tobi und Ich saßen auf der Ladenfläche und so fuhren wir 2,5 Stunden bei schönsten Wetter durch den Pacific Rim Nationalpark, jetzt hatten wir stellenweise den Panoramablick auf das Gebiet, das uns acht Tage lang gefangen hielt und uns das Leben nicht immer leicht machte. Wald ohne Ende, Berggipfel und darin eingebettete Seen flogen an uns vorüber, kurz gesagt, wir sahen ein schönes Stückchen Kanada unter freien Himmel. Gegen 17:30 standen wir dann da wo das Abenteuer seinen Anfang nahm, am Gordon River und wir sahen auf der anderen Seite des Ufers das Loch im Regenwald das wir vor acht Tagen mit gemischten Gefühlen durchschritten hatten. Nach herzlicher Verabschiedung unserer ausgezeichneten Fahrerin, die es sich nicht nehmen lies Jens dann noch zu unseren Mietwagen zu chauffieren, machten Tobi und Ich ein paar Lockerungsübungen, denn nach 2,5 Stunden auf der Ladefläche eines Pikup zeigten uns unsere Knochen das sie durch den WCT nicht taub geworden waren. Angekommen in Port Renfrew landeten wir wieder am gleichen Campground und nahmen die gleiche Parzelle in Beschlag wie bei unserer Ankunft vor acht Tagen. Der Besitzer war natürlich nicht mehr anwesend, der Waschraum verschlossen und so marschierten wir wie eine Bande Strauchdiebe ins Port Renfrew Hotel, die einzige Lokalität die in diesem Nest noch geöffnet hatte, die Saison war halt vorbei. Dann wurde das Versprechen eingelöst das wir uns auf dem Trail gegeben hatten, unser erstes Abendbrot in der zivilisierten Welt ist auf alle Fälle ein riesengroßes Steak. So riesengroß war das Steak zwar nicht, dafür das Beste was ich in den letzten Jahren gegessen hatte. Zumindest kam es mir so vor. Als wir uns gegen 20:30 hundsmüde auf den Weg ins Campground aufrafften regnete es zur Abwechslung mal wieder. Dann auf der ISO-Matte im Zelt kaute ich den Tag noch mal durch und stufte ihn als einer meiner besten in den letzten Jahren ein.
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Tag 1 nach dem Trail Port Renfrew - Victoria
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02.10.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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17,5
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11,5
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14,5
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18,8
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Als erstes hörte ich das typische "Regen auf Zeltdachgeräusch" und dachte was wird das heute wieder für ein Gruseltag. Dann wurde ich richtig munter und ich wusste der WCT ist Vergangenheit, also sch... auf den Regen. Nach insgesamt 10 Tagen in dem Körperhygiene nur aus 3minütigen Baden im 10 Grad kalten Wasser bestand, hatte ich jetzt nur noch einen Gedanken, den Weg unter die Dusche. Die Anderen Drei trauten sich bei dem Sauwetter noch nicht raus, ich jedoch klärte erst einmal die Lage betreffs Waschraum und Waschmaschine. Also rannte ich die 50 Meter bis zum Gebäude, stieß dort mit der Reinemachefrau zusammen und nachdem sie den Schock überwunden hatte, versuchte ich Ihr klar zumachen was bei mir oberste Priorität hatte, nämlich Wasser und zwar nicht das was vom Himmel fiel, sondern aus das was man einen Duschkopf nennt. Trotz meiner kaum vorhandenen Englischkenntnisse begriff sie relativ schnell was ich wollte. Also wieder zurück zum Zelt, meine 3 Weggefährten ließen sich nun auch blicken, Waschzeug, Handtuch und 2 Dollar geschnappt und dann kamen 7 Minuten der Glückseligkeit. Solange nämlich konnte man sich für 2 Dollar warmes Wasser auf den Körper rieseln lassen. Tobi und ich setzten dann noch eine Waschmaschine an, unsere Klamotten standen vor Dreck und nach zwei Stunden waren wir im Port Renfrew Hotel, frisch geseift und angekleidet, mit großem Hunger im Gepäck. Das Frühstück war gut und reichlich und unser Stimmungsbarometer ging steil nach oben. Den WCT hinter uns und noch vier freie Tage bis zum Abflug vor uns, Victoria! roll den roten Teppich aus, wir kommen! Um so näher wir Richtung Victoria kamen um so besser wurde das Wetter und am Ziel angekommen schien sogar die Sonne. Jens unser Vorrausdenker hatte sich im Vorfeld schon Gedanken um preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten in Victoria gemacht und war auf das “Ocean Island Backpackers Inn” im Stadtzentrum gestoßen was wir auch einigermaßen rasch fanden. Dort ging es ziemlich locker zu und war auch nichts für verwöhnte Lackaffen, aber bei 22 Dollar fürs Doppelzimmer hielt sich der Komfort natürlich in Grenzen. Aber was heißt kein Komfort, seit 10 Tagen endlich wieder in einer richtigen Koje zu liegen war allererste Sahne. Das Zimmer war primitiv, aber sauber und wir fanden sogar noch ein Plätzchen zum aufhängen unserer noch nassen Klamotten. Unsere feuchten Trekkingschuhe landeten auf dem Fensterbrett und das nasse Überzelt wurde unser zweiter Himmel im Zimmer. Am späten Nachmittag machten wir dann erste Erkundigungen, wollten wir doch wissen wo Morgen unsere Shoppingtour stattfindet. Der Hunger lenkte uns dann auf dem Rückweg in eine Kneipe namens "Johns Place Restaurant". Und dort sorgten wir dafür das unsere Defizite in puncto Essen und Trinken langsam wieder ins Gleichgewicht kamen. Das Steak war vernichtet, das zweite Bier stand auf dem Tisch, als sich neben uns ein Pärchen niederließ wo sich die Frau später als Deutsche zu erkennen gab. Das war auch erstmal ganz nett, freut man sich doch immer weit weg von der Heimat auf Landsleute zutreffen. Nach einem kurzen Plausch zahlten wir, denn Dank des vollen Bauches und des reichlichen Biergenusses machte sich Müdigkeit breit und das erste richtige Bett seit 10 Tagen lockte natürlich auch. Doch wie heißt es so schön- erstens kommt es anders und zweitens wie man denkt. Im Ocean Island angekommen dudelte uns doch Musik um die Ohren, es dauerte auch nicht lange und die Quelle, ein hinterer Raum der sich als gemütliches Barstübchen entpuppte, war entdeckt. Das Publikum möchte ich mal so beschreiben: jüngere Generation, lesbisch, leicht gestrauchelt, Weltenbummler ohne viel Geld oder kurz gesagt, Spießbürger waren nicht erwünscht. Uns jedenfalls gefiel es, schnell hatte jeder von uns sein Bierchen vor sich stehen, es hätte wirklich noch ein schöner Abend werden können. Doch dann beehrte uns die deutsche Bekannte aus dem Restaurant und es entbrannte ein handfeste politische Diskussion um das Thema Deutschland. Und was diese Dame über Deutschland wetterte trieb einen wirklich die Galle hoch. Sie schimpfte über Sozialleistungen die Ihr nach der Scheidung verweigert wurden und überhaupt kümmerte sich der Staat um seine Bürger zu wenig usw. In jedem Land wo die Dame bisher gestrandet ist, das da waren: Spanien, Schweden, Dänemark überall war es natürlich besser, komischerweise hat Sie diese Länder aber nach kurzer Zeit wieder verlassen. Jetzt war Sie in Kanada, schlief im Ocean Island und verdiente sich die Übernachtung dort als Putzfrau. Und wie in dem von Ihr gelobten Kanada das soziale Netz gestrickt ist, sahen wir in den nächsten Tagen in Vancouver in Form von Hunderten von Obdachlosen. Ich jedenfalls machte mich dann auf den Weg zum Zimmer um nicht noch ausfallend zu werden. Jens erschien dann so gegen 01:30 und bewies so zum wiederholten Mal seine unendliche Geduld auch beim diskutieren und Bier trinken.
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Tag 2 nach dem Trail Victoria
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03.10.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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14,7
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11,2
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13
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12,2
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Es war gegen 06:30 als mich der typische Autolärm einer Großstadt aus dem Land der Träume riss. Jens lag noch ohnmächtig in der Koje, hoffentlich verfolgte Ihn die Deutsche von gestern Abend nicht im Traum, weil, dann ist es ein Alptraum. Tobi und Gerhard waren auch noch nicht auf der Bildfläche, und so machte ich einen Erkundigungsspaziergang um die Frühstücksfrage zu klären. Nach dem Frühstück in einem Subway-Laden tauschten wir unsere zwei Doppelzimmer gegen ein 4 Bettzimmer, dort war es reichlich eng, aber für eine Nacht zum Schlafen ausreichend. Dann war Shoppen angesagt und da hatte ich klare Prioritäten gesetzt: Laufschuhe und Jeans vom Feinsten. Im "Bay Centre" starteten wir und wurden auch gleich fündig. Laufschuhe für 169 CAD und Jeans für 40 CAD marschierten über den Ladentisch. Die Preise brachten mich echt ins grübeln. Mir kam es jedenfalls so vor als ob wir in Deutschland beim Einkauf reihenweise über den Kamm gezogen werden. Leider hatten wir ein Platz- und Gewichtsproblem, so das wir uns doch ein wenig einbremsen mussten. Dann ging es noch durch etliche Souvenirläden und der Krempel den wir dort sahen kam zu 90%, na woher schon! Richtig! Made in China. Ich weiß nicht, gibt es irgendwo auf dieser Welt noch ein Teil zu erschwinglichen Preisen was nicht aus Fernost kommt?? Danach mit Einkaufsbeuteln behangen ging es auf einen Abstecher zum Hafen und da Hunger unser ständiger Begleiter war wurde auch gleich das dortige Seafood Restaurant angesteuert. Seelachs auf gerösteten Sandwichs war mal etwas anderes und war gar nicht so schlecht. Dann entdeckten wir das Bootshaus von Eaglewingtours die sich auf Whale Watching Touren spezialisiert haben. Die Infos die wir dort bekamen waren schon interessant: Auf den 12,5 Meter langen Booten ausgerüstet mit 3mal 250 PS-Motoren, einer Reisegeschwindigkeit von 70km/h und Spitzengeschwindigkeit von bis zu 100km/h finden 12 Personen Platz. Um die Wale eventuell zu sichten wurde mit einer Fahrzeit von 3 Stunden gerechnet. Das ganze Abenteuer kostete dann auch 109 CAD/Person. Jens und Gerhard waren auch gar nicht so abgeneigt, Tobi unschlüssig und ich hatte ganz einfach keine Lust 3 Stunden übers Meer zu rauschen bloß um ein paar Walflossen zu sehen, immer vorausgesetzt es tauchten überhaupt welche auf. Wir einigten uns dann doch lieber auf einen geruhsamen Nachmittag und schlenderten nicht ohne noch in ein paar Souvenirläden rum zu schnüffeln ins Ocean Island zurück. Abends war Steakhouse angesagt und was wir dort vorgesetzt bekamen war wirklich Spitze. Das 14 Unzen Steak, die gebackenen Kartoffeln, die hervorragenden Waldpilze und der Pudding zum krönenden Abschluss sorgten dafür dass sich mein Gewichtsdefizit nach dem WCT langsam aber stetig verringerte. Nach acht Tagen Strapazen, Isomatte, nassen Klamotten, eklig süßen Energieriegeln und Nudelpampe waren wir wieder im richtigen Leben angekommen. Danach Verdauungsspaziergang durch die victorianische Nacht, die Klänge die wir dann hörten führte uns direkt in das Haus von Bard & Banker, ein Pub im englisch- irischen Stil der Extraklasse. Und das Glück blieb uns weiterhin hold, obwohl das Haus brechend voll war, fanden wir an einen gerade frei werdenden Tisch Platz. Die Bierkarte präsentierte uns rund 20 Sorten Bier was uns erst einmal eine Weile beschäftigte. Die Bedienung war freundlich, einigermaßen schnell und nebenbei auch noch hübsch. Der Stil, das Ambiente und die Atmosphäre des zweistöckigen Gastraumes waren wirklich einmalig. Die Band auf dem Empore spielte Musik aus den 60, 70er Jahren, was besonders Gerhard und mich in einen sentimentalen Zustand versetzte. Und was mir noch auffiel: Hier verkehrten Leute aus so ziemlich allen Gesellschaftsschichten, auch vom Alter her war so ziemlich alles vertreten. In gehobener Stimmung kamen wir kurz vor 24:00 Uhr ins Ocean Island zurück und um den Abend abzurunden lenkten wir unsere Schritte natürlich sofort ins Barstübchen, da war es aber dann vorbei mit unseren Glück, denn pünktlich Mitternacht wurde dort geschlossen, am nächsten Morgen war ich froh darüber. Noch ein paar Bemerkungen zu Victoria: Victoria ist die Hauptstadt von British Columbia und mit einer der schönsten Städte die ich gesehen habe. Wolkenkratzer und Betonklötzer sind nicht zusehen dafür viele historische Backsteinbauten, und genau deswegen steht halb Victoria unter Denkmalschutz.
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Tag 3 nach dem Trail Victoria - Vancouver
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04.10.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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17,9
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10,9
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14,4
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11,8
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Auf nach Vancouver! Gegen 9:00Uhr verließen wir die Bruchbude von Zimmer und verstauten unser Gebäck im Auto. Frühstück im Coffee Shop, warum auch immer. Der Kuchen oder das Gebäck oder was immer es auch war, total verzuckert, die Toilette war defekt, toll! Der Himmel sah auch so aus als könne er uns nicht leiden, der Urlaub so gut wie vorbei- also so richtig gut drauf war ich noch nicht heute früh. Gegen 10:30 Uhr standen wir wieder vor der Fähre die uns nach Vancouver bringen sollte. Auf der Fähre machten wir es uns heute gemütlich, ein wenig Lektüre und ein wenig Nickerchen. In Vancouver angekommen machten wir uns auf die Suche nach dem "Backpackers Hostel", Jens hatte schon im Ocean Island diverse Anzeigen studiert und das preiswerteste Hotel herausgepickt. Für 20 CAD/Doppelzimmer wussten wir schon das uns keine Suiten erwartet, was wir aber dann zu Gesicht bekamen war eine Absteige übelster Sorte. Wir fuhren dann durch Vancouver, die Gegend wurde immer mieser und am miesesten war es halt da wo unser Hotel stand. Von der Hauptstraße runter landeten wir auf dem Hinterhof dieses Steinkasten aus den 40er Jahren, und die Gestalten die wir dort erblickten zeugten davon das im kanadischen Sozialnetz, falls es überhaupt eins gibt, auch nicht alle hängen bleiben. Vorausgesetzt die wollten das überhaupt. So parkten wir das Auto erst einmal an einer einigermaßen belebten Hauptstraße und ohne Rucksäcke betraten wir das Etablissement Beim einchecken kam ich mir vor wie im amerikanischen Gangsterfilm der 60er und 70er Jahre. Der Hüne von Mann mit zerschlagener Nase war aber sehr zugänglich und 10 Minuten später standen wir in der 5 Etage, links und rechts Bruchbuden von Zimmern und mir wurde ganz mulmig als wir unser Doppelbettzimmer, an der hinteren Flurecke gelegen, betraten. Das erste was mir einfiel: Knastzelle. Vergammeltes Doppelstockbett, ein verkeimtes Waschbecken mit Wasseranschluss ohne Wasser, Stuhl und Unterschrank mit immerhin, Fernseher darauf. Das einzige was nicht zur Knastzelle passte war die Tür, deren einzige Funktion wahrscheinlich darin bestand Sichtschutz zu sein. Die vergammelte Matratze des Bettes lag auf einen Sperrholzbrett und mein ganzer Körper fing an zu jucken als ich das Bettzeug anhob. Jens entschloss sich heute Nacht im Schlafsack und ich in meinen Regenklamotten zu pennen. Bis dahin aber war es noch lang hin, jetzt ging es erstmal nach Vancouver City. Bei strömenden Regen fanden wir einen Parkplatz am Hafen und dann begann eine 2stündige Souvenirjagd durch zu 90 Prozent asiatische Läden, nach unzähligen durchstöbern von Wühltischen, Regalen und Vitrinen hatte ich wenigstens für mein Töchterchen ein Highlight in Form eines Schales in den Nationalfarben von Kanada erstanden. Wieder am Hafen ging es dann wieder mal in einen irischen Pub wo wir unser erstes Kürbisbier im Leben rein schütteten und wir waren uns sicher, es wird auch unser letztes im Leben gewesen sein. Dann machten wir noch einen Abstecher nach Downtown, der Regen sorgte dafür dass sich der Spaß dort in Grenzen hielt. Ein Hot Dog Grillwagen weckte dann unsere Neugierde- ausgelöst durch das schon bekannte Gefühl was man Hunger nennt. Und der farbige Verkäufer hinter diesen Hotdogstand war wirklich gut drauf. Als er merkte welcher Nationalität wir entstammten kam er sofort hinter seinem Stand hervor und in gebrochenen Deutsch gab er uns zu verstehen "große Überraschung, schauen in Topf", zerrte mich hinter seinen Stand, mit geheimnisvoller Gestik wurde der Deckel des Topfes angehoben und was erblickten meine misstrauischen Augen? Sauerkraut vom Feinsten. Da waren wir nun doch ein wenig paff. Zwar war uns nicht nach Sauerkraut, aber er war so stolz auf seine Spezialität, wir brachten es wirklich nicht übers Herz da nein zu sagen. So kam zum Hotdog halt noch eine Portion Sauerkraut was immer noch besser war wie die Nudelpampe vom WCT. Jens machte dann noch ein Schwätzchen mit dem Mann und als er auf die Frage nach seiner Tätigkeit wahrheitsgemäß Polizist antwortete, war der Farbige vollkommen aus dem Häuschen. Und da Er uns nun alle Drei für Polizisten hielt wäre es Ihm am liebsten wenn wir alle Pakistani und alles was sich so illegal im Land aufhält noch heute verhaften würden. Der Grund laut seiner Aussage: Im Winter kommen alle Einwanderer, darunter wahrscheinlich viele Pakistanis, vom Norden nach Süden und machen Ihm dann wohl Konkurrenz oder was auch immer. Meine Schlussfolgerung aus diesem Gespräch: In jedem Menschen steckt ein kleiner Rassist, egal welcher ethischen Herkunft. Gegen 20:30 parkten wir unser Auto an einer belebten und beleuchteten Hauptstraße, schnappten unsere Rucksäcke und schlichen uns so unauffällig wie möglich in unser Elendsquartier. In unserem Zimmer angekommen überkam mich schon wieder das kalte Ekeln beim bloßen Anblick des Bettes. Auch Jens machte sich wahrscheinlich so seine Gedanken und machte plötzlich den Vorschlag dem Pub, welches im Erdgeschoss des Gebäudes integriert war, noch einen Besuch abzustatten. Mittlerweile wusste ich das Jens einen gewissen Bedarf an einen erhöhten Adrenalinspiegel zu haben schien, der zweite Grund, sich die Birne ein wenig zu betäuben um den Ekel vor dem Bett abzubauen war jedenfalls auch nicht von der Hand zuweisen. Bei unseren Einmarsch heute Abend hatten wir allerdings Gelegenheit einen Blick durchs Fenster ins Innere dieser Lokalität zu werfen, danach schwor ich mir eigentlich diese Lokalität auf keinen Fall zu betreten. So aber beging ich wieder mal einen Meineid und marschierte mit Jens ins Pub nicht ohne das wir Gerhard und Tobi, die Beiden hatten sich schon in ihren Zimmer verbarrikadiert und hatten auch keine Lust auf erhöhten Adrenalinspiegel, unsere Wertsachen anvertrauten. Beim Betreten dieser Lokalität staunten wir dann nicht schlecht als uns Rockmusik der 60er Jahre entgegen schmetterte, erzeugt doch tatsächlich von einer Live-Band. Ein Tisch etwas abseits vom Geschehen war auch schnell gefunden, selbst die Bedienung gab sich redlich Mühe und nach fünf Minuten hatten wir unser Bier auf dem Tisch. Tja und dann wagte ich einen verschüchterten Rundumblick: Rechts am Tisch fünf Mädels, keine unter 80 Kilo und die wussten was hier Sache war bzw. warum sie hier waren. Links am Tisch, Gott sei Dank getrennt durch einen Raumteiler, vier abgefüllte nicht gerade mickrig aussehende Männer im Rockerlook die gerade dabei waren einem etwa sechzehnjährigen betrunkenen Mädchen die Brüste zu kneten die sie zuvor recht schnell freigelegt hatte. Rechts hinter diesem Tisch stand dann die schon erwähnte drei- Mann- Band, und das die drei Mann noch standen grenzte bei den Bierkonsum an ein Wunder. Aber so alle halbe Stunde schmetterten Sie zwei, drei Hits und die waren noch nicht mal so schlecht. Als dann auf einmal "Wish you were here" von Pink Floyd ertönte, waren Jens und Ich regelrecht von den Socken. Der starre, auf mich gerichtete Blick, einer rund 26 Jahre und sehr kräftig aussehenden Frau mit zwei riesengroßen Schneidezähnen in der Mitte ihres Mundes lies mich immer nervöser werden und ich machte dann Jens den Vorschlag unser Sozialstudium über das Leben in der kanadischen Unterwelt zu beenden. Ich lag dann in unserer "Suite" in Regenklamotten isoliert vom Bett und der Traum von einer Frau mit großen Vampirzähnen an meinem Zeh herum nagend, wobei mich vier Rocker festhielten, sorgten dafür das meine Regenklamotten diesmal nicht von außen, sondern von innen nass wurden.
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Letzter Tag unseres Urlaubes Vancouver
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05.10.2008
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Temperatur max C°
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Temperatur min C°
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Temperatur mittel C°
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Regenmenge mm
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14,7
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7,5
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11,1
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1,2
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Die schlimmste Nacht während der gesamten Reise war gegen 06:00Uhr vorbei. Völlig durchschwitzt schälte ich mich aus meinen Regenklamotten und mit Widerwillen stellte ich mich unter die verkeimte Gemeinschaftsdusche. Heute schien die Sonne mal wieder zur Abwechslung und wir machten einen herrlichen Bummel durch das zukünftige olympische Dorf. Gleichzeitig spielte sich rund um uns so was wie ein Volksfest ab, wie ich später heraus bekam ging es da um Spendenmittel zum Kampf gegen den Brustkrebs. Und was da an Massen mobilisiert wurde nötigte uns doch einigen Respekt ab. Danach mit der Schnellbahn nach Downtown und Shopping war noch mal angesagt. Im "Pacific Centre Store" wussten wir zeitweise gar nicht mehr wo wir waren, so riesengroß und unübersichtlich war der Laden. Aber es gab einfach alles dort, und so landeten auch Planen und Klebeband zum Verschnüren unserer Rucksäcke im Einkaufswagen, wenn auch mit etwas Wehmut, denn es erinnerte uns daran, es ging zum Ende zu mit unseren Kanadatrip. Nachmittags, die Sonne zeigte sich noch mal von ihrer guten Seite, machten wir es uns im Park vorm Hauptbahnhof richtig gemütlich, doch die Gedanken waren schon im Flugzeug. Gegen 16:00Uhr waren wir am Flughafen und beim Auspacken des Autos und säubern desselbigen fanden wir doch tatsächlich noch eine Flasche Weinbrand und ein Sixpack, was uns dann auch dazu diente die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, schliesslich war unsere Abflugzeit erst gegen 06:00 Uhr. Der Flug zog sich grauenvoll in die Länge, landete aber dafür pünktlich auf dem Münchner Airport.
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Fazit:
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Das Beste was ich in den letzten Jahren in meiner Freizeit veranstaltet habe!
Trekking? Was ist das?? Diese Frage stellte ich mir noch vor 6 Monaten. Jetzt weiss ich es.
Meine Neugierde und die Sucht nach etwas Besonderen im sonst grauen Alltag hatten damals gewonnen. Die Erkenntnis wie verwöhnt wir Zuhause durch Strom, fliesend Wasser, Heizung usw. sind, kam zwar nicht unerwartet, aber erst im selbst erlebten Extremfall erkennt man den wahren Unterschied. In den ersten drei Tagen war ich mehrmals an der Leistungsgrenze, auch das zeugt davon was wir für Weicheier geworden sind. Die Schiffbrüchigen für die der WCT am Anfang des 19 Jahrhunderts gebaut wurde hatten weder Hightec-Rucksäcke, noch Energieriegel, Fertignahrung und Gaskocher schon gar nicht und trotzdem rettete der Pfad vielen das Leben.
Wir waren ein wirklich hervorragendes Team, auch wenn es bei manchen Extremsituationen schon mal kleinere Auseinandersetzungen gab. Aber ich gebe zu: Allein hätte ich den Kampf gegen die dort rauhe Natur sicherlich verloren bzw.. wäre ich gar nicht erst angetreten.
Trekking? geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Es werden wohl noch ein paar Touren folgen.
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